Ärgernis „Betriebliche Altersvorsorge“ – lohnt sich diese noch?

Was ist eine betriebliche Altersvorsorge?

Der Arbeitgeber zahlt für seinen Mitarbeiter Beiträge für dessen Altersvorsorge. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Direktzusage
  • Unterstützungskasse
  • Pensionskasse
  • Direktversicherung
  • Pensionsfonds

Der Vorteil dieser Modelle ist, dass man einen Teil des Lohns oder des Gehaltes unversteuert dort hineinfließen lassen kann. Dadurch spart der Mitarbeiter die Sozialversicherungsbeiträge und teilweise auch Lohnsteuer. Zahlt der Arbeitnehmer selbst in eine Versicherung ein, muss dies vom versteuerten Lohn erfolgen. Der Mitarbeiter muss also bei einer betrieblichen Altersvorsorge weniger Geld aufwenden.

Und was ist jetzt das Ärgernis?

Durch die Änderung der Besteuerung im Jahre 2004 gilt die sogenannte „nachgelagerte Besteuerung“. Das bedeutet, dass Steuern mit Auszahlung der Versicherung anfallen. Hinzu kommen noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge.

Im Detail bedeutet das für die Krankenversicherung einen Beitragssatz von durchschnittlich 15,7%, ggf. zuzüglich 1,1% Zusatzbeitrag, plus 2,35% für die Pflegeversicherung, also ca. 19 % auf die ausgezahlten Beiträge. Auf die ausgezahlte Versicherungssumme zahlt man also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitrag. Die Beiträge werden auf einen Zeitraum von 10 Jahren erhoben. Somit entsteht eine zusätzliche monatliche finanzielle Belastung. Diese Belastung ist in keiner Rentenberechnung des Versicherers enthalten. Damit gehen fast ein Fünftel der vorgesehenen Rente verloren.

Wen betrifft es?

Diese Regelung betrifft alle in der gesetzlichen Krankenkasse pflicht- oder freiwillig Versicherten. Beiträge werden auf alle Auszahlungen erhoben, für die der Arbeitgeber wenigstens einen Teil – also nicht einmal die vollen Beiträge – übernommen hat. Also kann schon ein Zuschuss des Arbeitgebers zu einer Beitragspflicht der Auszahlung führen. Nicht betroffen sind alle privat Versicherten.

Diese Regelung hat gerade im vergangenen Jahr zu erheblichem Protest geführt. Es haben sich Interessenvereinigungen gegründet, die auch politisch Druck ausgeübt haben. Hinzu kommt, dass die Krankenkassen in den letzten Jahren erhebliche Guthaben angespart haben.

Was hat sich geändert?

Am 12. Dezember 2019 hat der Deutsche Bundestag das Gesetz zur „Einführung eines Freibetrages in der gesetzlichen Rentenversicherung zur Förderung der betrieblichen Altersvorsorge“ beschlossen.

Mit dem „GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz“ wurde eine bereits geltende Freigrenze von 159,25 € (2020) in einen Freibetrag umgewandelt. Somit wird der Krankenversicherungsbeitrag nur noch auf den Teil der Auszahlung erhoben, der monatlich 159,25 € übersteigt. Das kann zu einer Ersparnis an Beiträgen von ca. 300 € pro Jahr führen. Somit kommt es zu einer kleinen Entlastung.

Allerdings

Die neue Regelung gilt nur für die oben aufgeführten Durchführungswege.  Zu der von den Betroffenen geforderten Abschaffung der kompletten Beitragslast konnte sich der Gesetzgeber nicht durchringen.

Auch auf die Pflegeversicherung müssen weiterhin die vollen Beiträge gezahlt werden. Auch sind die, in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versicherten Mitglieder von dieser Regelung ausgenommen worden. Dies gilt auch für Rentner. Als Rentner ist man in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert, wenn man in der zweiten Hälfte seiner Erwerbszeit weniger als 90% in der gesetzlichen Krankversicherung versichert war. Diese zahlen also weiterhin die vollen Beiträge.

Was kann man tun?

Wenn man eine betriebliche Altersvorsorge abschließt, sollte man unbedingt die Steuern und die Beiträge, die man später darauf zahlen muss, bei der Höhe der Rente mit einkalkulieren.

Man sollte außerdem genau prüfen, ob man sich die Rente monatlich oder in einem Einmalbetrag auszahlen lässt.

Tipp!

Die Mitarbeiter der Kanzlei rechnen Ihnen gerne die finanzielle Belastung aus, die zu berücksichtigen ist. Außerdem prüfen wir, ob es günstiger ist, sich die Rente monatlich oder jährlich auszahlen zu lassen.

Lassen Sie sich rechtzeitig beraten!