Vom Anwärter zum Ausbilder

STEUERBERATER UND SCHIEDSRICHTER KARSTEN KRAUSE VORGESTELLT

Wenn Karsten Krause heute als Schiedsrichter-Beobachter auf die Sportplätze Thüringens kommt, um die Leistungen der Unparteiischen zu bewerten, denkt er oft daran, wie ihn seine dort verbrachte Zeit als junger Schiedsrichter auf seinen Weg im Leben vorbereitet hat. Durchsetzungsvermögen habe er gelernt, selbst Entscheidungen zu treffen, sich zu organisieren, aber auch Probleme zu lösen.

Als der damals 14-Jährige im Jahr 1979 als einer von nur drei unter 18-Jährigen im Kreis Eisenach seinen Schiedsrichterschein erhielt, hatte er wohl noch nicht daran gedacht, wo ihn seine Leidenschaft für den Sport einmal hintreiben würde. Der Sohn einer Fußballerfamilie hat damals im Pfeifen seine Begeisterung für den Fußball gefunden. Vom Schiedsrichter in der Kreisklasse des Nachwuchs hat er es durch viele Weiterbildungen geschafft, sich als Schiedsrichter für die Bezirksklasse (seit 1990 Bezirksliga) zu qualifizieren. „Jeden letzten Freitag im Monat gab es eine Fortbildung des Kreisverbandes. Wenn man da nicht erschienen ist, gab es ganz schön Ärger, dann durfte man nicht mehr pfeifen“, erzählt Krause und verweist darauf, dass es als Schiedsrichter nur durch den regelmäßigen Besuch von Lehrveranstaltungen möglich ist aufzusteigen. Dazu gehören unter anderem auch die Qualifizierungsnachweise zwei Mal jährlich sowie die Halbzeittagungen.

Nicht nur als Schiedsrichter, sondern auch beruflich machte der heute 54-Jährige Karriere. Als Steuerberater hat er sich 1990 mit einer eigenen Kanzlei selbstständig gemacht, was ihn zehn Jahre später zu einer Entscheidung zwang. Weiter machen wie bisher und jedes Wochenende auf einem anderen Platz pfeifen, war ihm aufgrund des hohen Zeitaufwandes nur noch schwer möglich, der Druck einfach zu groß. Er entschied sich, die aktive Schiedsrichter-Laufbahn zu beenden und einen neuen Ausgleich zu seinem Beruf zu finden. „Jeder Lebensabschnitt hat mal ein Ende, aber dafür kommt ein toller neuer!“.

Dem Sport ist er treu geblieben. Seit dem Beenden der aktiven Zeit bildet sich Krause in seiner Tätigkeit als Lehrwart für junge Schiedsrichter ständig weiter. 2008 legte er die DFB-Zertifizierung in den Bereichen Sozial- und Methodenkonferenz ab und als im letzten Jahr das Modul Medienkompetenz hinzu kam, absolvierte der ehemalige Schiedsrichter auch hier gleich die notwendige Fortbildung. Die meiste Zeit ist er als Schiedsrichter-Beobachter in der Frauen-Regionalliga für den Nordostdeutschen Fußballverband und in der Landesklasse sowie Verbandsliga für den Thüringer Fußballverband unterwegs. Dort kann er seine Erfahrungen an die Nachwuchstalente weiter geben und ihre Fortschritte miterleben, was er am meisten an der Tätigkeit schätzt. Neben den Schiedsrichtererfahrungen fliest inzwischen auch sein Knowhow als Steuerberater in die ehrenamtliche Tätigkeit ein. 2004 wurde er Kassenprüfer des Landessportbund Thüringen und seit gut zwei Jahren lehrt er als Referent für den LSB sowie für mehrere Kreis- und Stadtsportbünde Vereinssteuerrecht. Auch im 2019 neu geschaffenen Blended-Learning-Format des LSB für die Vereinsmanager-C-Ausbildung ist er als digitaler Referent tätig. „Dank meiner langjährigen Arbeit im Verein kenne ich das Vereinsleben in- und auswendig und kann bei meinen Referenteneinsätzen viele praktische Beispiele mit einbringen, weiß aber auch um die Probleme, die der Alltag eines Vereins mit sich bringt“, erzählt der ehemalige stellvertretende Vereinsvorsitzende des SV Mihla. In seiner Kanzlei hat er sich auf die Betreuung von Vereinen und Verbänden spezialisiert, wofür er mehrfach im Jahr Weiterbildungen zum aktuellen Steuerrecht besucht. Entwickelt hat sich das durch sein Engagement im Sport. Da im Tagesgeschäft einer Steuerkanzlei aber nicht die Zeit bleibt, den Vereinen mit Neuerungen und Verschärfungen bei Steuerprüfungen zu helfen, hat er mit ein paar Kollegen die „Beratergruppe Eisenach“ gegründet. Ziel dieser ist es, spezielle Beratungs- und Betreuungsangebote für Vereine und Verbände zu entwickeln, um ihnen die Arbeit so einfach wie möglich zu gestalten.

Ans Aufhören scheint Krause gar nicht zu denken. Sein vielfältiges Engagement ist für seine Lebensgefährtin im Alltag kein Problem. Sie habe sehr viel Verständnis für sein Ehrenamt und ebenfalls ein recht zeitintensives Hobby, betont er. Gemeinsam versuchen sie alle Veranstaltungen in Einklang zu bringen. Der 54-Jährige freut sich bereits auf das nächste Referententreffen der Landesportbünde Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, um sich vor allem über Methodenkompetenz austauschen zu können. Auch im Bereich Medienkompetenz möchte er demnächst weitere Fortbildungen in Angriff nehmen. Ab Juni wird er zudem im Verbandsschiedsrichterausschuss des Thüringer Fußball-Verbands tätig und sich dort um die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Zusammenarbeit mit den Kreisen kümmern.

Fotos: privat

Text: Thüringen-Sport – Strategie & Taktik