Vor- und Nachteile von Photovoltaikanlagen – vor Investition beraten lassen!

Viele haben sich in den letzten Jahren Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) angeschafft. Die Meisten haben aber nicht damit gerechnet, dass die Einkünfte aus den Anlagen versteuert werden müssen. Daraus resultiert auch ein entsprechender Abrechnungsaufwand. … und man kann einiges falsch machen.

 

Warum ist das so?

Der Betrieb der Photovoltaik-Anlagen gilt als steuerlicher Gewerbebetrieb. Demzufolge sind die Einkünfte daraus zu versteuern. Dazu muss eine Einnahme-Überschuss-Rechnung erstellt werden. Hinzu kommt, dass man sich die Mehrwertsteuer aus der Rechnung für die Anschaffung der Anlage vom Finanzamt zurückholen kann. Dazu sind monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen in den ersten beiden Geschäftsjahren und jährlich eine Umsatzsteuererklärung beim Finanzamt einzureichen.

 

Kann ich das vermeiden?

Ein Gewerbebetrieb liegt vor, sobald Strom in das öffentliche Stromnetz eingespeichert wird. Um eine Betriebserlaubnis für eine PV-Anlage zu erhalten, ist es notwendig, überschüssigen und nicht selbst verbrauchten Strom in das öffentliche Netz einzuspeisen. Damit sind alle Betreiber von PV-Anlagen automatisch auch Unternehmer und haben dessen steuerliche Pflichten zu erfüllen.

 

Welche Einkünfte müssen versteuert werden? 

Innerhalb der Einkommensteuererklärung muss die Anlage EÜR beim Finanzamt eingereicht werden. Es ist also eine Einnahme-Überschuss-Rechnung zu erstellen. Dort werden die Einnahmen (Erlöse) aus dem eingespeisten Strom und die Erlöse aus dem selbst verbrauchten Strom erklärt. Hinzu kommt noch ggf. die vereinnahmte Umsatzsteuer. Das ergibt die Betriebseinnahmen.

Von den Betriebseinnahmen können die Betriebsausgaben abgezogen werden. Das ist zunächst die Abschreibung der Anschaffungskosten der Anlage. Die vom Gesetzgeber festgelegte Nutzungsdauer der Anlage beträgt 20 Jahre. Man kann also 5% des Anschaffungspreises jährlich als Absetzung für Abnutzung (AfA) geltend machen. Neben der Abschreibung können weitere angefallene Ausgaben, wie Finanzierungskosten für ein aufgenommenes Darlehen, die Kosten für eine Versicherung der Anlage, Wartungskosten und Verwaltungskosten geltend gemacht werden. Zu den Verwaltungskosten zählen eventuell die Kontogebühren für ein separates Konto oder die Kosten des Steuerberaters. Auch die ausgegebene Mehrwertsteuer (Vorsteuer) und die an das Finanzamt abgeführte Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer-Zahllast) können als Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

Der sich aus den Betriebseinnahmen abzüglich der Betriebsausgaben ergebende Überschuss muss versteuert werden. Sie müssen also bis zum 31.07. des Folgejahres eine Einkommensteuererklärung an das Finanzamt übermitteln. Ihr Steuerberater bekommt dafür eine Fristverlängerung.

Haben Sie noch andere Einkünfte, die über dem Grundfreibetrag (2019: 9.168 bzw. 18.336 € bei Ehegatten) liegen, dann zahlen Sie auf den Überschuss auch Einkommensteuer. Das heißt, dass der Ertrag der Anlage – und dazu zählt auch der selbst-verbrauchte Strom – bei vorhandenen Lohn-Einkünften, auch bei manchen Renten, zu einer Einkommensteuer-Zahlung führen wird.  

 

Was ist mit der Mehrwertsteuer?

Mitunter verzichten PV-Anlagen-Besitzer auf die Erstattung, der mit der Errichtung der Anlage ausgegebenen Mehrwertsteuer (Vorsteuer). Dabei verschenkt man, nur um sich ein wenig Mehrarbeit bei der Abrechnung zu ersparen, ggf. mehrere Tausend Euro. Bei einer Anlage im Wert von 20.000 € sind das immerhin 3.800 €. Der Vorsteuerabzug lohnt sich finanziell in den meisten Fällen.

Man „optiert“ also zur Umsatzsteuer und muss wenigstens 5 Jahre lang Mehrwertsteuer auf die Einspeise-Vergütung und den selbst verbrauchten Strom an das Finanzamt abführen. Die Mehrwertsteuer auf die Erlöse des eingespeisten Stroms bekommt man vom Netzbetreiber erstattet.

Der Nachteil ist die Abführung der Mehrwertsteuer auf den selbst verbrauchten Strom. Weiterer Nachteil sind die einzureichenden Umsatzsteuervoranmeldungen, in der Regel in den ersten beiden Geschäftsjahren und eine jährliche Umsatzsteuererklärung, die an das Finanzamt übermittelt werden muss.

Tipp!

Um zu sehen, ob sich die Option zur Umsatzsteuer lohnt, sollte man sich unbedingt von einem Steuerberater beraten lassen.

 

Wieso muss man den selbst verbrauchten Strom noch versteuern?

Da die PV-Anlage steuerliches Betriebsvermögen darstellt, handelt es sich beim selbst-verbrauchten Strom um die Entnahme einer Leistung.

 

Zu welchem Preis muss der selbst-verbrauchte Strom versteuert werden?

Es gibt mehrere Möglichkeiten den Wert des selbst-verbrauchten Stroms zu ermitteln:

Bei Anlagen, die bis zum 31.03.2012 in Betrieb genommen wurden, rechnet der Netzbetreiber den selbst-verbrauchten Strom mit der Einspeise-Vergütung ab. Man tut also so, als ober man den Strom an den Netzbetreiber geliefert und dann zurückgeliefert bekommen hat.

Bei Anlagen, die ab 01.04.2012 in Betrieb gegangen sind, muss man den Wert des selbst-verbrauchten Stroms selbst ermitteln. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Man kann pauschal 0,20 € zuzüglich Umsatzsteuer = 0,24 € pro selbst verbrauchte Kilowattstunde ansetzen. Diesen Wert muss das Finanzamt aber nicht anerkennen.
  2. Man kann den durchschnittlichen am Markt erzielbaren Strompreis ansetzen. Diesen Wert kann man der eigenen Stromrechnung entnehmen.
  3. Die günstigste Variante ist der Ansatz mit den sogenannten Herstellungskosten. Man erstellt also eine Kalkulation, was der erzeugte Strom tatsächlich kostet.

Das Finanzamt ermittelt den Wert des selbst-verbrauchten Stroms gerne auf Basis der Leistung der PV-Anlage. Dazu wird aber die Höchstleistung der Anlage zu Grunde gelegt. Diese Variante ist meistens die Ungünstigste, muss aber in den Fällen angewandt werden, in denen der selbst-verbrauchte Strom vom Betreiber nicht abgelesen und erfasst wurde.

Tipp!

Dokumentieren Sie immer die produzierte Strommenge. Nach Abzug des eingespeisten Stroms ergibt sich der Anteil des selbst verbrauchten Stroms. Lassen Sie sich bei der Ermittlung des Eigenverbrauchs beraten, um die günstigste Variante zu ermitteln!

 

Kann man mit der PV-Anlage Steuern sparen?

Sind die Erträge der PV-Anlage niedriger als die Betriebsausgaben, einschließlich Abschreibung, dann entsteht kein Überschuss, sondern ein Verlust. Dieser kann insbesondere bei fremd finanzierten PV-Anlagen entstehen. Dort sind die Darlehenszinsen und die Gebühren als Ausgaben zu berücksichtigen. Allerdings fordert das Finanzamt bei Verlusten eine Totalgewinn-Prognose über 20 Jahre. Ergibt sich daraus kein positives Ergebnis, spart man also mehr Einkommensteuer, als man abzuführen hat. In diesem Fall werden die Verluste von der Finanzverwaltung wegen fehlender Gewinnerzielungsabsicht nicht anerkannt. Ein Steuersparmodell stellt eine PV-Anlage also nicht dar. Lediglich in besonderen Fällen, bei schwankenden Einkünften, kann man über eine Sonderabschreibung eine Steuerersparnis erreichen.

 

Hat die PV-Anlage gar keine Vorteile?

Bei steigenden Strompreisen spart man Geld durch den selbst-erzeugten Strom. Allerdings muss man diesen dann auch abnehmen, wenn er produziert wird – also tagsüber, wenn die Sonne scheint. Darauf sollte die Anlage ausgerichtet sein.

Auch ein Stromspeicher kann sinnvoll sein. Allerdings erst, wenn sich dessen Anschaffungskosten wieder amortisiert haben. Dazu sollte man sich genau beraten lassen!

Tipp!

Wir beraten sie gerne zu den wirtschaftlichen und steuerlichen Themen. Sprechen Sie die Mitarbeiter der Kanzlei vor der Investition an!