Wenn das Unternehmen durch eine Scheidung bedroht wird…

Katrin S. trennt sich von ihrem Ehemann und möchte sich scheiden lassen. Uwe S. ist Inhaber eines Gewerbebetriebes. Er besitzt dazu ein Gewerbegrundstück mit Werkstattgebäude, außerdem 2 Betriebsfahrzeuge, Maschinen, Werkzeuge und Einrichtungsgegenstände. Die Darlehen für den Erwerb des Grundstücks, den Bau des Gebäudes und die Anschaffung der Fahrzeuge und der Betriebsmittel hat Uwe S. im letzten Jahr vollständig tilgen können. Uwe S. hat den Betrieb während der Ehe aufgebaut. Katrin S. hat ihn dabei im Büro unterstützt und ihm den Rücken freigehalten. Beide Ehegatten haben nichts hinsichtlich des Vermögens geregelt. Zum Vermögen der Ehegatten gehört außerdem noch ein Einfamilienhaus, dass sie auch während der Ehe angeschafft haben.

Was passiert nun bei einer Scheidung?

Die Ehegatten leben im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das heißt vereinfacht gesagt, es wird Bilanz gezogen, welches Vermögen am Tag der Eheschließung und welches Vermögen am Trennungsstichtag vorhanden war. Die Differenz (Zugewinn) wird geteilt.

In diesem Fall würde die Aufteilung folgendermaßen aussehen:

(vereinfachte Darstellung)

Vermögen am Tag der Eheschließung

Summe 30.000 Euro

Vermögen am Scheidungsstichtag

Maschinen, Werkzeuge und Einrichtungsgegenstände 250.000 Euro

Forderungen, Kundenstamm, abzüglich Verbindlichkeiten usw.)

100.000 Euro

Forderungen, Kundenstamm, abzüglich Verbindlichkeiten usw.) 100.000 Euro

Summe 530.000 Euro

Zugewinn 530.000 ./. 30.000 = 500.000 Euro

Anteil jedes Ehegatten = 250.000 Euro

Uwe S. möchte den Betrieb weiter alleine bewirtschaften und das Einfamilienhaus auch weiter bewohnen. Somit hat er seiner Ex-Frau Katrin ihren Anteil (250.000 Euro) auszuzahlen. Da Uwe nicht über die baren finanziellen Mittel verfügt, muss er das Einfamilienhaus verkaufen. Der Verkauf bringt ihm einen Erlös in Höhe von 120.000. Für die restlichen 130.000 Euro versucht Uwe ein Darlehen aufzunehmen. Gelingt ihm das nicht, dann muss er auch Teile des Betriebsvermögens verkaufen. Ob er den Betrieb dann noch fortführten kann, bleibt abzuwarten.

– und wenn keine Betriebsgrundstücke und Gebäude vorhanden sind?

Dann wird zumindest der Wert des übrigen Betriebsvermögens ermittelt. Dazu wird eine Bewertung durchgeführt. Die Bewertung kann nach verschiedenen Verfahren erfolgen. Das Ertragswertverfahren wäre z. B. ein solches Verfahren. Dieses Verfahren berücksichtigt den Wert, den ein Käufer zu zahlen bereit wäre, um das eingesetzte Kapital durch entsprechende Erträge des Unternehmens ausreichend verzinst zu bekommen. Ein anderes Verfahren ist das Statusfeststellungsverfahren. Hier geht es um betriebswirtschaftliche Faktoren. Beide Verfahren werden oft vor Gericht gegeneinander verwendet.

Eines haben beide Verfahren gemeinsam: Es wird ein Ertrag ermittelt, der in die Aufteilung des Zugewinnausgleichs einfließt und oft nur durch Darlehensaufnahme oder Veräußerung des gesamten Betriebes oder einzelner Teile des Betriebes aufgebracht werden kann. Auch viele Insolvenzen sind aufgrund von Forderungen geschiedener Ehegatten bereits ausgelöst worden.

Was kann man dagegen tun?

Wer verhindern will, dass sein Unternehmen im Zuge einer Scheidung leidet, sollte vorsorgen. Rechtsanwälte und Notare empfehlen die Gütertrennung oder einen Ehevertrag. Hier geht es nicht darum einen der beiden Ehegatten zu bevorteilen oder zu benachteiligen, vielmehr geht es um den Schutz des gemeinsam erworbenen Vermögens. Das sollte man so lange regeln, solange die Ehe noch funktioniert.

Tipp!

Lassen Sie sich von einem auf Handelsrecht erfahrenen Rechtsanwalt und durch einen Notar beraten!